Bestandteile des Taekwon-Do

Die wichtigsten sportlichen Komponenten des klassischen Taekwondo sind:

  • Gymnastik (Chae Jo / 체조)
  • Formen (Hyong /형 )
  • Partnerübungen und Freikampf (Taeryon / 대련 )
  • Bruchtest (Kyeok Pa / 격파 )
  • Selbstverteidigung (Hosinsul / 호신술)

Gymnastik: Dehnungsübungen mit dem Ziel der Körperbeherrschung

Um Taekwon-Do zu erlernen, wird der Körper durch eine speziell angepasste Gymnastik trainiert. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Trainings, da erst eine gute Körperbeherrschung und Beweglichkeit die technische Vielfalt des Taekwon-Do ermöglicht – insbesondere die in großen Höhen ausgeführten Beintechniken.

Diese Übungen stellen den Erhalt und die Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit sicher und beugen Verletzungen vor. Ebenso werden dadurch das Koordinationsvermögen und die Flexibilität trainiert. Körperhaltung und Körpergefühl werden wesentlich verbessert.

Gymnastik: Förderung der Gesundheit

Darüber hinaus hat die Gymnastik aber noch weiterführende Auswirkungen, indem sie das allgemeine Wohlbefinden und die Gesundheit fördert. Die Gymnastik im Rahmen des Taekwon-Do-Trainings ist die Grundlage für einen widerstandsfähigen und flexiblen Körper – auch im Alter. Haben Sie schon mal die Geschmeidigkeit von Senioren aus Asien beobachtet, die ein Leben lang nicht auf Stühlen, sondern auf dem Boden gesessen sind und Gymnastik betreiben? In der chinesischen weichen Kampfkunst Tai Chi Chuan gibt es das Sprichwort „Jeder Zentimeter, den man seine Bänder und Sehnen verlängert, schenkt ein Lebensjahr“. Dies ist natürlich nur symbolisch zu sehen, trifft aber auch auf die Übungen im Taekwon-Do zu. Mit zunehmenden Alter werden die Gliedmaßen weniger beweglich, Sehnen und Bänder verkürzen sich und verlieren ihre Geschmeidigkeit. Im Extremfall verkrümmt sich die Wirbelsäule und Gelenke werden steif. Bei Menschen mit westlichem Lebensstil wird dies noch durch weitgehend sitzende Tätigkeiten auf Stühlen verstärkt. Diesem Effekt wirken wir durch regelmäßiges Dehnen und der systematischen Bewegung aller großen und kleinen Gelenke entgegen.

Formen: Kampf mit imaginärem Gegner

Die meisten asiatischen Kampfkünste kennen Formen. Dies sind festgelegte Bewegungsfolgen aneinandergefügter Kampftechniken, die gegen imaginäre Gegner ausgeführt werden. Im klassischen Taekwondo heißen diese Bewegungsfolgen „Hyong“ (형/ koreanisch = Form). Das Hyongtraining ist grundlegendes Element im täglichen Unterricht. Hyongs haben den Zweck, auch gefährliche Techniken üben zu können, ohne einen Trainingspartner zu benötigen und andere zu gefährden. Sie enthalten komplexe, manchmal nicht einfach zu verstehende Informationen, welche Reihenfolgen von Techniken in bestimmten Kampfsituationen geeignet sind. Mit der Ausführung der Hyongs werden Ausdauer, Vorstellungskraft, Konzentration, Rhythmus und Koordination geübt.

Mit zunehmendem Entwicklungsstand des Schülers werden die Hyongs anspruchsvoller und komplexer. Die unterschiedlichen Hyongs haben in ihrer technischen Abfolge und Bedeutung jeweils einen eigenen „Charakter“. Ihre Namen sind nach Personen und Ereignissen aus der Geschichte Koreas benannt und deuten in ihrem Aufbau oft auch symbolisch auf diese Zusammenhänge hin.

Im traditionellenTaekwondo gibt es normalerweise zwanzig Hyongs. Die Hyongs eins bis zehn wurden für Schüler entwickelt, die viel anspruchsvolleren Hyongs elf bis zwanzig sind den Dan-Trägern vorbehalten. Großmeister Son, Jong-Ho hat vier weitere Sonderformen entwickelt, die nur in unserem Verband geübt werden. Diese unterscheiden sich von den „Standardformen“ durch ihre Komplexität, eine höhere Anzahl an Bewegungen und den besonderen Schwierigkeitsgrad.

Partnerübungen

Im klassischen Taekwondo übt man die Anwendung der erlernten Techniken durch verschiedene Arten abgesprochener Übungen und den freien Kampf.

Bei Partnerübungen (Yaksok Taeryeon / 약속대련) reagiert der Verteidiger auf einen vorher festgelegten Angriff mit unterschiedlichen Abwehr- und Kontertechniken. So kann er die Zweckmäßigkeit seiner Technik prüfen und sie am Partner präzise üben. Häufig verwendete Methoden der Partnerübung sind Ein-Schritt-Kampf (Ilbo Taeryeon) und Drei-Schritt-Kampf (Sambo Taeryeon). Hier führt der Angreifer entweder einen oder drei Angriffe hintereinander aus, die vom Verteidiger abgewehrt werden müssen.

Freikampf: Kreative Anwendung erlernter Techniken

Freikampf (ChaYu Taeryeon / 자유 대련) stellt die nächste Entwicklungsstufe dar, wobei das Wechselspiel der Kontrahenten fließend und nicht vorherbestimmt ist. Der Kampf oder das Sparring ist die Anwendung der erlernten Techniken am Gegner. Er fördert Kreativität, Wahrnehmungsfähigkeit und Timing. Darüber hinaus werden Ausdauer und Widerstandskraft geschult. Der Freikampf gehorcht lediglich einer Reihe von Regeln, die die Aufgabe haben, die miteinander Übenden optimal zu schützen und überdies Disziplin, Fairneß und Höflichkeit im Rahmen einer Auseinandersetzung zu entwickeln.

Klassisches Taekwon-Do: Kampf ohne Körperkontakt

Im klassischen Taekwon-Do wird Freikampf ohne Kontakt ausgeführt. Das Abfangen der Schläge kurz vor dem Ziel erfordert von den Übenden ein Höchstmaß an Konzentration und Körperbeherrschung. Gegenüber dem Vollkontaktkampf anderer Systeme, bei wenige, punktebringende Techniken verwendet werden, wird durch den kontaktlosen Freikampf des traditionellen Taekwon-Do ein weites Spektrum an Bewegungsmöglichkeiten ausgeschöpft.

Bruchtest: Konzentration von Körper und Geist

Der Bruchtest ist kein Bestandteil des täglichen Trainings. Die Fähigkeit, Materie zu zerstören oder zu brechen, ergibt sich zwangsläufig aus dem Training der anderen Disziplinen.

Der Bruchtest ist Gradmesser für die geistige und technische Entwicklung des Ausführenden. Selbstzweck eines Bruchtests ist es nicht, Materie mit roher Gewalt zu zerstören, sondern die Lücke zwischen Körper und Geist zu schließen. Das heißt, der Bruch der Materie muss zuerst geistig durchgeführt werden und wird dann vom Körper durch die notwendige Bewegung und Impulsentfaltung nachvollzogen.

Der Bruchtest demonstriert dem Außenstehenden die gewaltige Kraft und Effizienz der Technik und verdeutlicht, wieso es notwendig ist, den Kampf zu reglementieren und die innhalb der Hyongs ausgeübten Techniken wegen der damit verbundenen Gefahren nur mit äußerster Vorsicht und höchster Körperkontrolle am Menschen zu trainieren

Selbstverteidigung: Das Resultat aller Disziplinen des Taekwon-Do

Die Selbstverteidigung im Taekwon-Do ist geprägt von umfassenden Abwehr- und Kontertechniken sowie einer Vielzahl von befreienden oder fixierenden Hebelbewegungen, Würfen, Schlagtechniken und Fußtritten. Selbstverteidigung spielt im prozentualen Anteil des Trainings eine eher untergeordnete Rolle. Die Fähigkeit, sich in Konfliktsituationen effizient zur Wehr zu setzen, resultiert aus dem Training der anderen Disziplinen.

Die durch das Training gewonnene physische und psychische Stärke und die intuitive Anwendung der erlernten Techniken helfen, Konfliktsituationen richtig zu erkennen und dementsprechend zu handeln.

Sicherlich bieten die Techniken in einer scheinbar ausweglosen Situation die nötigen Mittel, um einen Angriff abzuwehren. Der zentrale Sinn des Taekwon-Do ist jedoch nicht das Erlernen kämpferischer Fähigkeiten: Im Grund geht es darum, Konflikte durch das richtige Bewußtsein zu vermeiden.